Noahs Erbe

Eine vornehme Abstammung verschafft Ansehen – je vornehmer, desto besser. Dem römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. (1459-1519) mögen die Verdienste seiner Vorfahren zu gering erschienen sein, jedenfalls beauftragte er gleich einen ganzen Stab von Gelehrten, seinen offiziellen Stammbaum zu erweitern. Anschließend berief er sich auf eine Verwandtschaft mit dem biblischen Archenbauer Noah und Hektor, der fiktiven trojanischen Heldenfigur.

Geschildert in Wiesflecker, Hermann: Kaiser Maximilian I. Das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit, Bd. 1: Jugend, burgundisches Erbe und Römisches Königtum bis zur Alleinherrschaft 1459-1493, München 1971, S. 44-45 sowie Bd. 5: Der Kaiser und seine Umwelt. Hof, Staat, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, München 1986, S. 362-365.

Konrad die Blume: Ausgewählte historische Beinamen

  • Ludwig der Bucklige (†1445), Herzog von Bayern-Ingolstadt
  • Friedrich der Gebissene (†1323), Landgraf von Thüringen
  • Karl der Einfältige (†929), König der Westfranken
  • Ludwig der Nichtstuer (†987), König von Frankreich
  • Konrad die Blume (†1132), Graf von Plötzkau
  • Albrecht der Lahme (†1358), Herzog von Österreich
  • Heinrich mit der Schramme (†1399), Herzog von Brieg
  • Otto der Faule (†1379), Kurfürst von Brandenburg
  • Friedrich mit der leeren Tasche (†1439), Herzog von Österreich

Quellen: LexMA, ADB, NDB, Sächsische Biographie. Viele Beinamen sind erst posthum entstanden. Populärwissenschaftlich aufbereitet wurde das Thema in Lebe, Reinhard: War Karl der Kahle wirklich kahl? Historische Beinamen – und was dahintersteckt, Berlin 1969.

Versicherte Piraten

Selbst in den Jahrzehnten, die rückblickend als „Goldenes Zeitalter der Piraterie“ bezeichnet werden, lebten Piraten gefährlich. Den Unwägbarkeiten der See ständig ausgeliefert, konfrontiert mit dem verzweifelten Widerstand angegriffener Schiffe und verfolgt von Piratenjägern oder der Royal Navy, fanden die wenigsten Piraten einen natürlichen Tod.

Doch auch nicht-tödliche Verwundungen konnten verhängnisvoll sein. Denn ein Pirat, der aufgrund körperlicher Beeinträchtigungen nicht kampffähig war, oder ein Seemann, der die beschwerlichen Arbeiten auf Deck nicht verrichten konnte, besaß keine Möglichkeit mehr, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Hunger und Armut drohten. Auf manchen Piratenschiffen sicherte sich die Besatzung deshalb vermittels schriftlicher Übereinkunft gegen „Arbeitsunfälle“ ab: Wer auf Kaperfahrt schwer verwundet wurde, dem stand eine Entschädigungszahlung zu.

Der Freibeuter und Schiffsarzt Alexandre Olivier Exquemelin berichtet in seinem 1678 erschienenen Buch De Americaensche Zee-Rovers von einer Vereinbarung, die folgende Entschädigungen für versehrte Piraten vorsah:

  • 100 Piaster (spanische Silbermünzen) oder einen Sklaven bei Verlust eines Auges
  • 400 Piaster oder vier Sklaven bei Verlust des linken Beins
  • 500 Piaster oder fünf Sklaven bei Verlust des rechten Beins
  • 100 Piaster oder einen Sklaven bei Verlust eines Fingers
  • 500 Piaster oder fünf Sklaven bei Verlust des linken Arms
  • 600 Piaster oder sechs Sklaven bei Verlust des rechten Arms

Vgl. Exquemelin, Alexandre Olivier: De Americaensche Zee-Rovers, Amsterdam 1678, S. 35 (Gallica). Eine sozialromantische Perspektive auf das „Goldene Zeitalter der Piraterie“ eröffnet Rediker, Marcus: Villains of All Nations. Atlantic Pirates in the Golden Age, Boston 2004.

Wer kennt diesen Mann?

Im Sommer 1944 schienen die Tage des Dritten Reiches gezählt: Die Landung der Alliierten in der Normandie war geglückt und die Rote Armee stand kurz vor Ostpreußen. Amerikanische Geheimdienste beschäftigten sich deshalb schon mit Planspielen für das Kriegsende. Dabei zogen sie auch in Betracht, dass Hitler angesichts der aussichtslosen Lage früher oder später versuchen könnte zu fliehen. Vorsorglich ließ das Office of Strategic Services deshalb Fahndungsbilder anfertigen, die mögliche Maskierungen Hitlers zeigen. Der „Spiegel“ hat sie 1998 in einem Archiv wiederentdeckt.

Hitlers mögliche Verkleidungen

Aus: Der Spiegel 19/1998, S. 18-19. Online unter http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7881784.html. Archivnachweis: National Archives and Records Administration, Washington, D.C., http://research.archives.gov/description/3179917. Bild via http://commons.wikimedia.org/wiki/File:HitlersManyFaces.png.

Für die Wissenschaft!

Nadel im Auge: Originalzeichnung aus Newtons Notizbuch

Nadel im Auge: Originalzeichnung aus Newtons Notizbuch

Isaac Newton (1643-1727), heute vor allem bekannt als „Entdecker der Schwerkraft“, forschte in allen nur denkbaren Bereichen der Wissenschaft. Zum Beispiel interessierte ihn, wie das menschliche Auge funktioniert. Er führte sich deshalb eine Nadel in die Augenhöhle ein und versuchte durch gezieltes Stochern die Rückseite seines Augapfels zu stimulieren.

Die Ergebnisse des Experiments hielt er in einem Notizbuch fest: „Weiße, dunkle und bunte Kreise“ seien in seinem Sichtfeld erschienen.

Quelle: Cambridge University Library, MS Add. 3975: Laboratory Notebook by Isaac Newton, S. 15. Online unter http://cudl.lib.cam.ac.uk/view/MS-ADD-03975/21.

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